Mittwoch, 30. Januar 2013

Bundesinstitut zwingt Pharmas und Ärzte zu mehr Information
Offizielle Warnung vor Hypersexualität, Spiel-
und Kaufsucht durch Parkinsonmedikamente

Wenn Sex, Spielen  und Shopping zur zweiten Krankheit werden ...


Jahrzehntelang haben Pharmakonzerne und Ärzte die Nebenwirkungen von Parkinson-Medikamenten entweder geleugnet oder verharmlost. Jetzt hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Pharmaindustrie verpflichtet, in den Produktinformationen der Parkonson-Medikamentengruppen von Levodopa, Dopaminagonisten-Agonisten und COMT-Inhibatoren auf die Risiken von Impulskontrollstörungen wie der krankhaften Spielsucht, der Libidosteigerung und Hypersexualität , zwanghaftes Geldausgeben und Einkäufen sowie Essattacken und Esszwang hinzuweisen. Auch Ärzte müssen ab sofort ihre Patienten ausführlich über die häufigen Nebenwirkungen der Parkinsonmedikamente informieren.

Die Nebenwirkungen, auf die die Pharmaproduzenten ab sofort in den sogenannten Beipackzettel ausführlich hinweisen müssen, sind - im Gegensatz zu bisherigen Behauptungen von Pharmakonzernen und Ärzten - häufig. In einer Querschnittsstudie von Daniel Weintraub von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia litten nicht weniger als 13,6 Prozent aller Parkinson-Patienten darunter: Am häufigsten kam es zur pathologischen Spielsucht (5,0 Prozent) gefolgt von zwanghaftem Sexualverhalten (3,5 Prozent), Kaufsucht (5,7 Prozent) und Essstörungen (4,3 Prozent).

Ein weiteres Ergebnis der Studie, die unter anderem zum Sinneswandel des BfArM führte: Nicht wenige Patienten hatten zwei oder mehr Störungen gleichzeitig. Sie belästigen dadurch nicht nur ihre Mitmenschen. Viele Patienten haben einen wirtschaftlichen Ruin erlebt, oder sie sind mit Gesetzen in Konflikt geraten.

Vielfach wurde in der Vergangenheit auch behauptet, die Impulskontrollstörungen seien "Bestandteil" der Parkinson-Erkrankung. Weintraub konnte in einer Fall-Kontrollstudie aber zweifelsfrei zeigen, dass die Medikamente und nicht die Erkrankung für die Störung verantwortlich sind.

Künftig, so das BfArM, sollen Patienten regelmäßig hinsichtlich der Entwicklung von Impulskon­trollstörungen überwacht werden. Die Fachinformationen fordern von den verordnenden Ärzten, dass sie Patienten und Betreuer auf die Nebenwirkung aufmerksam machen. Wenn sie auftreten sollte, muss die Therapie überprüft und die Medikation gegebenenfalls verändert werden.

jos


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chronischLEBEN im Wortlaut


Im Einzelnen sind folgende Medikamente von den Änderungen in der Informationspflicht betroffen:

  • Levodopa,
  • Die Dopamin-Agonien: Apomorphin, Bromocriptin, Cabergolin, Lisurid, Pergolid, Piribedil, Pramipexol, Quinagolid, Ropinirol, Rotigotin
  • sowie die COMT-Inhibitoren: Benserazid, Carbidopa, Entacapone, Tolcapone 

Unter anderem werden die Pharmahersteller zwingend verpflichtet, folgende Hinweise in die Produktinformationen  aufzunehmen:

Warnhinweise
„Impulskontrollstörungen

Die Patienten sollten regelmäßig hinsichtlich der Entwicklung von Impulskontrollstörungen überwacht werden. Patienten und Betreuer sollten darauf aufmerksam gemacht werden, dass bei Patienten, die mit Dopaminagonisten und / oder anderen dopaminergen Substanzen, die Levodopa enthalten, behandelt werden, Verhaltensauffälligkeiten im Sinne von Impulskontrollstörungen auftreten können, einschließlich pathologischer Spielsucht, Libidosteigerung, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang . Die Überprüfung der Behandlung wird empfohlen, wenn solche Symptome auftreten.“

Nebenwirkungen 

„Impulskontrollstörungen Pathologische Spielsucht, Libidosteigerung, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang können bei Patienten auftreten, die mit Dopaminagonisten oder anderen dopaminergen Substanzen, die Levodopa enthalten, , behandelt werden.“

Besondere Vorsicht bei der Einnahme 

„Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie oder Ihre Familie bzw. Betreuer bemerken, dass Sie einen Drang oder ein Verlangen entwickeln, sich in einer für Sie ungewöhnlichen Weise zu verhalten, und Sie dem Impuls, dem Trieb oder der Versuchung nicht widerstehen können, bestimmte Dinge zu tun, die Ihnen selbst oder anderen schaden können. Dies nennt man Impulskontrollstörungen und dazu gehören Verhaltensweisen wie zum Beispiel Spielsucht, übermäßiges Essen oder Geldausgeben, ein abnorm starker Sexualtrieb oder eine Zunahme sexueller Gedanken oder Gefühle.

Ihr Arzt muss dann möglicherweise ihre Behandlung überprüfen.“



Welche Nebenwirkungen sind möglich? 

„Es könnte sein, dass Sie folgende Nebenwirkungen bemerken: Die Unfähigkeit, dem Impuls, dem Trieb oder der Versuchung zu widerstehen, bestimmte Dinge zu tun, die Ihnen selbst oder anderen schaden können; dazu gehören: • Spielsucht, ohne Rücksicht auf ernste persönliche oder familiäre Konsequenzen • Verändertes oder vermehrtes sexuelles Interesse und Verhalten, das Sie oder andere stark beunruhigt, z.B. ein verstärkter Sexualtrieb, • unkontrolliertes maßloses Einkaufen oder Geldausgeben, • Essattacken (Verzehr großer Nahrungsmittelmengen innerhalb kurzer Zeit) oder zwanghaftes Essen (Verzehr größerer Nahrungsmengen als normal und über das Sättigungsgefühl hinaus. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn eine dieser Verhaltensweisen bei Ihnen auftritt; er wird mit Ihnen Maßnahmen zur Verhinderung oder Behebung der Symptome besprechen.“




chronischLEBEN-Kommentar:
Die Mauer des Verschweigens bröckelt

Dass Parkinson-Medikamente nicht nur die gewünschte Wirkung haben, das Lindern der typischen Symptome von Tremor über Rigor bis zu den gravierenden Bewegungsstörungen, ist seit langem bekannt. So gesehen ist die "Notbremse" die das zur Bundesgesundheitsministeriums gehörende BfArM jetzt endlich mit den neuen Richtlinien gezogen hat, längst überfällig.

Dass sowohl der "Klassiker" unter den Parkinson-Präparaten, das Levodopa, als auch die Agonisten und COMT-Hemmer nicht selten gravierende Nebenwirkungen haben, wurde jahrzehntelang verschwiegen und/oder verharmlost. Dass die Pharmaindustrie Nebenwirkungen wie Hypersexualität, Spiel - und Kaufsucht möglichst unter der Decke hält, wundert nicht weiter: Eine transparente und ehrliche Information der Kundschaft könnte sich ja schädlich fürs Geschäft auswirken. Kriminell ist diese gezielte und wissentliche Desinformation trotzdem.

Zu Mittätern haben sich aber viele, sehr viele Ärzte gemacht. Ich selbst habe es immer wieder erlebt, dass gestandene Mediziner sich wie die sprichwörtlichen Aalr wanden, wenn ich sie gezielt auf diese möglichen Nebenwirkungen ansprach. Vertrauensbildend ist die bisherige ärztliche Praxis im Umgang mit Tatsachen nicht.

Menschlich vielleicht irgendwie nachzuvollziehen, aber nichtsdestotrotz gefährlich und falsch ist das bisherige Verhalten vieler Betroffener, die versuchen, in einschlägigen Internet-Foren und Online-Selbsthilfegruppen über die Krankheit Parkinson, ihre Folgen und das Leben mit der Krankheit zu informieren. Sie haben an der bisherigen Mauer des Schweigens und Leugnens wesentlich mitgebaut. Wer versuchte, nicht nur theoretisch auf mögliche Nebenwirkungen hinzuweisen, sondern Klartext schrieb und auf konkrete tragische Fälle hinwies, in denen Opfer der Medikamenten-Nebenwirkungen zu Tätern wurden, musste damit rechnen, zum Querulanten gestempelt zu werden.

Tragisch: Wir sind als Parkinson-Patienten auf die Medikamente angewiesen. Wenn wir Glück haben, treffen uns die Existenz- und persönlichkeitsgefährdenden Nebenwirkungen nicht. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn wir unsere Medikamte schlucken, um besser mit "unserem" Parkinson zu leben, spielen wir eine Art russisches Roulette.

Die jetzt endlich erzwungene offenere Information über die nicht seltenen gefährlichen Nebenwirkungen der Parkinson-Medikamente ändern an den Nebenwirkungen nichts. Aber der jetzt eingeschlagene Weg ermöglicht uns als Betroffenen, unseren Ärzten und den Menschen, mit denen wir leben wenigstens, nach anderen, weniger schädlichen Medikamenten zu suchen oder aber die impulskontrollstörungen therapeutisch zu behandeln.

Übrigens: Die "Alternative", nebenwirkungsbehaftete Medikamente durch einen operativen Eingriff, die Tiefe Hirnstimulation (THS), zu ersetzen, ist nicht wirklich erfolgversprechend: Auch die THS führt nicht selten die genannten Impulskontrollstörungen mit im ohnehin nebenwirkungsrechen "Gepäck".

Norbert Jos Maas


Wenn es piepst und blinkt im OP-Saal
Anästhesist abgelenkt - Patient tot?
Studie fordert mehr Ruhe bei Operationen

Konzentriertes Arbeiten: Bei Operationen ein absolutes Muss
Das Handy am Ohr des (bewegten) Auto- oder Radfahrers ist aus gutem Grund verboten und wird mit Bußgeldern zwischen 40 und 25 EURO geahndet. Die Plauderei am Telefon während der Fahr lenkt ab, und das kann lebensgefährlich sein. Weniger beachtet - und von keinem Bußgeld bedroht - sind immer noch Ablenkungen in den Operationssälen der Kliniken. Aber auch und gerade eine mangelnde Konzentration auf die "Reparatur" menschlicher Körper" kann Leben kosten.

Wer nun denkt, die konzentrierte Stille im OP werde allenfalls durch das Klappern des Operationsbestecks und die notwendigen Anweisungen des Operateurs unterbrochen, der irrt - oder schaut zu viele TV- Serien rund um das klinische Geschehen.

Eine US-amerikanische Studie lässt aufhorchen - und ist alles andere als vertrauensbildend und beruhigend: die Wissenschaftler fanden heraus, dass der durchschnittliche Lärmpegel in einem OP-Saal bei 77 Dezibel liegt. Ein ruhiges Arbeiten zum Beispiel der Anästhesisten, die für eine Versorgung der narkotisierten Patienten mit Sauerstogff sorgen, ist unter solchen Umständen kaum möglich - vor allem, wenn es rund um Papst und blinkt. Diese Störfaktoren beeinträchtigen - so die Studie - unter Umständen de lebenswichtige Reaktionsfähigkeit vor allem der Anästhesisten im OP.

Die Wissenschaftleruntersuchten unter Laborbedigungen diemöglichen Auswirkungen von akustischen und optischen Störfaktoren im OP. Unter Störgeräuschen verschiedener Intensität und während sie visuelle Konzentrationsaufgaben absolvierten, mussten 33 Anästhesisten gleichzeitig auf Frequenzänderungen an einem Monitor achten, die das Absinken der Sauerstoffsättigung von 99 Prozent auf 98 Prozent bei einem Patienten akustisch signalisierten.

Das Ergebnis:Das Zuviel an visuellen Reizen verringerte die Aufmerksamkeit der Anästhesisten gegenüber den Monitortönen. Kamen Störgeräusche hinzu, konnte dies die Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit der Anästhesisten um bis zu 17 Prozent herabsetzen.

Die Folge: ein Absinken der Sauerstoffsättigung wurde später erkannt und notwendige Maßnahmen mit entsprechender Verzögerung eingeleitet.

jos

Dienstag, 29. Januar 2013

Pharmakonzern bezahlt Ärzte-Studium
Stipendien sichern Wettbewerbsvorteile

Mitten in die Diskussion über mögliche Bestechung im medizinischen Bereich "platzt" eine Medung des Pharmakonzerns Stada: Die Mitbewerber auf dem heiß umkämpften Generikamarkt teilen stolz mit, dass sie ab sofort fünf Studentinnen und Studenten der Universitätsmedizin in Berlin mit Stipendien unterstützen. Mit im Stipendienboot ist die Bundesregierung.: Sie verdoppelt den Betrag, den das Pharmaunternehmen den künftigen Ärzten zählt.

Das Sponsoring des Pharmakonzerns Stada Arzneimittel AG Ostsee Einstieg in eine neue Partnerschaft mit der Berliner Charité. Wie das Unternehmen mitteilt, unterstützt es damit im Rahmen der Deutschlandstipendien "zukünftige Spitzenkräfte der Medizin, die sich bereits heute durch überragende fachliche Leistungen und freiwilliges Engagement außerhalb des Studiums auszeichnen".

In ihrem Berufsleben werden die Stipendiaten dann immer wiedergibt der Entscheidung konfrontiert sein, ob sie Produkten wie "Paracetamol Stada" oder das Parkinsonmedikament Apo-Go, die Stada-Blockbuster Grippostad-C oder Mobilat oder Medikamenten der Stada-Konkurrenz den Umsatzsteigerungen Vorzug geben.

Die Deutschlandstipendien wurden 2011 vom Bund für staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen eingeführt. Dabei erhalten überdurchschnittlich erfolgreiche Studierende einen monatlichen Beitrag von Privatunternehmen, der vom Bund jeweils verdoppelt wird.

jos


chronischLEBEN-Kommentar:
Korruption beginnt nicht erst in der Arzt-Praxis

Stipendien tun der Ausbildung gut. Sie kommen hochbegabten Studentinnen und Studenten zugute, die sich die akademische Ausbildung sonst nicht leisten könnten. Eine saubere Sache.

Das ist die eine Seite der ehrenwerten Medaille. Aber es gibt auch eine andere, weniger glänzende Seite dieser Förderung: Wenn wie im Fall Stada rein wirtschaftliche Interessen von Pharmakonzernen ganz offensichtlich mit dem Stipendium aufs Engste verknüpft sind, dann hat das ein "Gschmäckle" nach Korruption auf lange Sicht.

Wer sich das Studium von Pharmakonzernen bezahlen lässt, ist als Arzt nicht mehr wirklich frei in seinen Entscheidungen. Dass die Bundesregierung sich zur Hälfte ab dem anrüchigen Deal beteiligt, ist skandalös - aber leider immer noch Alltag im Geschäftmit der Gesundheit.

Norbert Jos Maas


Donnerstag, 25. Oktober 2012

chronischLEBEN Service
Gegen Grippe impfen - auch nach den Impfstoff-Schlampereien?
Nutzen und Risiken abwägen - Panik-Gurus ignorieren

Nachdem einige Impfstoffe des Schweizer Pharmakonzerns Novartis vom Markt genommen werden mussten, weil sie möglicherweise Nebenwirkungen bis hin zum tödlichen anaphylaktischen Stoff auslösen können, stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch eine Grippeschutz-Impfung, die sicher ist? - und: Ist eine Grippechutzimpfung überhaupt unbedingt sinnvoll? Und - wenn ja: Für wen?

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist nicht so einfach. Pharmakonzerne wie die Firma Novartis, die jetzt dabei erwischt wurde wie sie möglicherweise gefährliche Impfstoffe unters Volk bringt, behaupten sogar jetzt noch, dass ihre Präparate absolut sicher und unbedenklich seien. Als glaubwürdige Informationsquelle taugen die Produzenten der Ware daher wohl eher weniger: Für die Wirtschaftsunternehmen stehen  Monster-Umätze und Traumhafte Gewinne auf dem Spiel.

Die Kontrollbehörden -  in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut - haben heute vor den Kameras der Medien zwar offen das Offensichtliche, nicht mehr zu Leugnende zugegeben: Die aktuelle Gefahr, die von den beanstandeten Impfstoffen kurz nach der Injektion ausgeht. Dieselben Behörden bestreiten aber energisch und pauschal jede Möglichkeit von Spätfolgen - ohne sagen zu können, warum. Gestern hätten diese Behörden wahrscheinlich noch Stein und Bein geschworen, dass Begripal und Fluad absolut "saubere" Impfstoffe seien. Dabei waren die verdächtigen Ausflockungen bereits seit Juli bekannt.

   Keine glaubwürdigen Informationen von der Industrie und den Behörden   

chronischLEBEN empfiehlt: Wer auf der Suche nach seriösen Informationsquellen für eine sichere Grippeschutz-Impfung ist, sollte besser eine großen Bogen um die Produzenten jeglicher Präparate machen - und ebenso um die Behörden, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass wir den eingesetzten Impfstoffen Vertrauen können.

Zurzeit bleiben als vertrauenswürdige Informanten in Sachen Grippschutzimpfung ausschließlich die Experten aus Medizin und Pharmakologie, die sich immer schon als kritische und ebenso sachkundige wie verantwortungsvolle Gesprächspartner erwiesen haben.

  Auf "klassische" Impfstoffe ohne Wirkstoffverstärker ausweichen   

Wer sich trotz des teilweisen Verkaufsstopps von Begripal- und Fluad-Chargen impfen lassen möchte, sollte auf andere Produkte ausweichen, empfiehlt zum Beispiel der Infektiologe Peter Walger. In Deutschland sind 16 verschiedene Impfstoffe gegen die saisonale Grippe im Winter 2012/13 zugelassen. "Die klassischen Impfstoffe sind alle gut verträglich", sagte Walger. Auch der Arzt und Parmakologe Wolfgang Becker-Brüser sieht die "Impfstoff-Zene" differenziert. Der Herausgeber und Chefredakteur des unabhängigen Informationsdienstes "arznei-telegramm" ist kein grundsätzlicher Impf-Gegner. Sein Tipp heute Abend in der ARD-Tagesschau: Auf der sicheren Seite, was mögliche Neben- und Spätwirkungen anbelangt, sind Patiten, die sich mit "klassischen" Impfstoffen impfen lassen Das sind Präparate, deren immunisierende Viren in bebrüteten Hühnereiern gezüchtet rüden. Wolfgang Beker-Brüserin der ARD: Sicher sind die "klassischen" Grippe-Impftoffe, deren Viren in bebrüteten Hühnereiern gezüchtet werden. Becker-Brüser warnt eindringlich vor Grippeimpfstoffen, denen Wirkstoffverstärker, sogenannte Adjuvantien, zugefügt wurden.das jetztvom Markt genommene Novartis-Präparat Fluad enthält solche Adjuvantien.

   Optaflu: Krebsverdacht nicht ausgeräumt   

Ausdrücklich warnen Kritiker wie Becker-Brüser auch vor dem Novartis-Grippeimstoff Optaflu, der in den USA bereits seit 2005 verboten ist. Optaflu wird in Deutschland bereits jetzt als Ersatz für Begripal und Fluad eingesetzt. Anders als die klassischen Impfstoffe aus bebrüteten Hühnereiern wird Optaflu aus Hunde-Tumorzellen entwickelt. Das Präparat Stettin Verdacht, möglicherweise krebserzeugend zu sein.

Widersprüchlich sind die Aussagen zur Notwendigkeit und Wirksamkeit derGrippeschutzimpfung. Begründet wird die angeblich fast zwingende Notwendigkeit, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, immer wieder mit angeblich drohenden Grippe-Epidemien - bis hin zu Pandemien.

   Grippe-Verlauf ist nicht vorhersehbar   

Glaubt man Unkenrufender Lobbyisten der Pharmaindustrie in Politik und Ärzteschaft, dann droht auch in diesem Jahr angeblich eine schwere Grippewelle. Der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, Peter Wutzler, zum Beispiel warnte kürzlich mal wieder vor einer harten Saison. Auf der Südhalbkugel, so wutzler düster, seien besonders viele Influenzatote gemeldet worden. Andere Experten halten das für die typische Panikmache - wie alljährlich zu Beginn der Impf-Saison.. "Jedes Jahr wird reflexartig vor einer schweren Grippewelle gewarnt", kritisiert Becker-Brüser. Wie hart die Saison tatsächlich werde, lasse sich gar nicht vorhersagen. Der Verlauf der Grippewelle auf der Südhalbkugel sei nur ein Anhaltspunkt. "Auf dem Weg von dort zu uns kann sich das Virus verändern", urteilt der Arzt und Apotheker. "Die Schwere und der Verlauf der Grippesaison ist nicht vorherzusagen", sagt auch eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). "Davon unabhängig ist für bestimmte Gruppen das Risiko für eine Erkrankung erhöht."

   Sinn der Impfung für immungeschwächte Menschen umstritten   

Die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeschutzimpfung in erster Linie älteren Menschen über 60 Jahre und chronisch Kranken, medizinischem Personal und Schwangeren. Damit sich der Schutz rechtzeitig vor Beginn der Influenzawelle aufbaut, gelten Oktober und November als die beste Zeit für die Impfung. Erfahrungsgemäß startet die Grippesaison aber frühestens im Dezember. Da es etwa zwei Wochen dauert, bis ein Schutz aufgebaut ist, reicht es daher auch noch, sich im November impfen zu lassen.

Wie sinnvoll die Impfung ist, ist aber umstritten. Einen hundertprozentigen Schutz bietet sie nicht. "Für bestimmte Risikogruppen ist auch nicht geklärt, ob sie tatsächlich einen Nutzen bringt", sagt Becker-Brüser. Bekannt ist etwa, dass das Immunsystem bei älteren Menschen schlechter auf die Impfung anspricht. Doch gerade dieser Gruppe empfiehlt die STIKO die Spritze.

   Informationen für Menschen ab einem Alter von 60   

Die STIKO weist darauf hin, dass das Immunsystem im Alter seine Stärke verliert; es könne Krankheitserreger nicht mehr so gut bekämpfen. Dies mache ältere Menschen besonders anfällig für Grippeviren.

Aber sogar  die STIKO weist in ihren Empfehlungen darauf hin, dass eine Impfung gerade bei geschwächtem Immunsystem keinen hundertprozentigen Schutz bietet. Wer typischen Symptome entwickelt - Fieber, Halsschmerzen, trockener Husten, heftige Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen - sollte sofort zum Arzt gehen. Informationen für chronisch Kranke

   Chroniker anfällig für Grippe-Viren - und Nebenwirkungen   

Chronische Erkrankungen wie Asthma, Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson oder eine HIV-Infektion belasten den Körper. Dies macht sich bei einer Grippeinfektion bemerkbar: Patienten haben ein besonders hohes Risiko für schwere oder sogar lebensbedrohliche Krankheitsverläufe. Vor allem, wenn durch die Vorerkrankung die Atemwege oder das Immunsystem beeinträchtigt sind.

Wer eine entsprechende Grundkrankheit hat, sollte nach Empfehlungen der STIKO ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden. Nach Möglichkeit sollten sich auch Angehörige und enge Kontaktpersonen von chronisch Kranken impfen lassen, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Impfung sollte am besten vor Beginn der Grippesaison im Oktober oder November erfolgen, da es etwa zwei Wochen dauert, bis der Körper seinen Schutz voll aufgebaut hat.

Zu den Erkrankungen, durch die ein höheres Risiko durch die saisonale Grippe besteht, zählen: Chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma), Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose und Parkinson, angeborene und erworbene Immundefekte, HIV-Infektionen. Die Betroffenen sollten die Impfung immer mit ihrem Arzt besprechen. Aber auch für chronisch Kranke gilt, dass für sie mögliche Nebenwirkungen von Grippeschutzimpfungen besonders gefährlich sein können. Au jeden Fall ist zu empfehlen, mit einem vertrauenswürdigen Arzt Nutzen und Risiken einer Impfung abzuwägen.

Für alle, die nicht sicher sind, ob sie sich gegen Grippe impfen lassen sollten oder nicht gelten zwei bewährte Grundsätze:

  • Glauben Sie auf keinen Fall den alle Jahre wieder verbreiteten Horror-Epidemie-Phantasien
  • Informieren Sie sich eher bei Kritikern, die keine fanatischen Impfgegner sind als bei beharrlich die Sicherheit beschwörenden nicht fanatischen, aber pharmakonzerngläubigen Pauschal-Befürwortern des "kleinen Pieks" 

Norbert Jos Maas

Rückrufaktion wegen möglicher Nebenwirkungen
Auch Deutschland nimmt Novartis-Grippeimpfstoffe vom Markt

Nach Italien, Österreich und der Schweiz hat jetzt auch Deutschland Grippeschutz-Impfstoffe der Firma Novartis vom Markt genommen. Das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat die Auslieferung der Novartis-Präparate Begripal und Fluad teilweise gestoppt. Wie die ARD-Tagesschau am Nachmittag meldete, sind von dem Mittel Begripal vier Chargen betroffen, von Fluad eine Charge.
Der Hersteller Novartis will die betroffenen Chargen unverzüglich zurückzurufen, teilte das Institut mit. Die Maßnahme diene dem Schutz der Patienten vor möglichen Nebenwirkungen. Wie das PEI mitteilte, können solche Nebenwirkungen bereits innerhalb weniger Stunden nach der Impfung mit den erst jetzt beanstandeten Impfstoffen auftreten.

Das staatliche Institut nannte in einer Pressemitteilungen allergische bis hin zu anaphylaktische Reaktionen auf die Impfstoffe, die jetzt aus dem Verkehr gezogen wurden. Spätere Folgen seien "bisher nicht beschrieben", teilte das PEI mit.

Verantwortlich für die Nebenwirkungen seien Ausflockungen in den Präparaten. Das deutsche Kontrollinstitut will diese Auffälligkeiten, die zum Beispiel in Italien bereits seit Juli bekannt waren, angeblich "nicht beobachtet" haben; als "Maßnahme der Risikovorsorge" würden "dennoch jene Chargen zurückgerufen, bei deren Produktionsvorstufen solche Ausflockungen aufgefallen seien" - - vier Monate nach dem Bekanntwerden.

jos

chronischLEBEN-Kommentar:
Grippe-Impfstoffe sind sicher wie die Renten

Spätestens seit dem Schweinegrippe-Impfskandal vor drei Jahren ist bekannt, dass den hypnotisierend-einlullend sowohl von Pharmakonzernen als auch Kontrollbehörden wiederholten Beschwichtigungsbeschwörungen über die Sauberkeit und Harmlosigkeit der Grippe-Impfstoffe nicht über den Weg zu trauen ist. Bereits 2009 hatten seriöse und unabhängige Mediziner und Pharmakologen wie der Chefredakteur und Herausgeber Informationsdienstes "arznei-telegramm", Wolfgang Becker-Brüser davor gewarnt, dass Hilfsmittel in dem damals verwendeten Impfstoffen nicht ausgetestet waren. Die Kritiker wurden nicht nur von der Pharmaindustrie, sondern auch von deutschen Kontrollbehörden wie dem Robert-Koch-Institut und dem Robert-Koch-Institut wie durchgeknallte Querulanten behandelt.

Später stellte sich heraus, dass die damals angebliche Grippe-Pandemie - also eine Epidemie im Weltmaßstab- frei erfunden worden war - unter anderem mit Hilfe gefälschter, von der Pharmaindustrie bezahlter Studien, in die sogar Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO verwickelt waren.

Auch in diesem Jahr versucht die Industrie wieder, unsichere Präparate gewinnmaximierend unters verängstigte Volk zu bringen: Wenige Tage bevor gemeldet wurde, dass auch deutsche Behörden - vierMonate nach Bekanntwerden des möglichen Risikos - Impfstoffe der FirmaNovartis vom Markt nahm, hatte die WELT noch Alarm geschlagen: "Deutschland steht eine frühe Grippe-Welle bevor", titelte die Zeitung am 17. Oktober - einevon zahllosen Nachrichten, die fahrlässig verbreitet wurden und nur einen Zweck hatten: Die Menschen sollten sich impfen lassen - ohne zu fragen, was ihnen da in den Muskel gespritzt wird. Und noch gestern beteuerte der Produzent der jetzt vom Markt genommenen pottentiell gefährlichen Impfstoffe, der Pharmakonzern Novartis, die Produkten absolut unbedenklich.

Vor dem Hintergrund der Impfstoff-Rückholaktion in Italien, Österreich, der Schweiz und jetzt auch Deutschland ist es an der Zeit, ein weiteres Novartis-Produkt endlich kritisch zu prüfen: Der Grippeimpfstoff Optaflu, der aus Tumorzellen von Hunden gewonnen wird, steht unter Verdacht, möglicherweise krebserzeugend zu sein. 2005 hatten die US-amerikanischen Kontrollbehörden die Zulassung von Optaflu abgelehnt. In Deutschland kam es jetzt auf den Markt -ausgerechnet als Ersatz für das bereits von Lieferschwierigkeiten betroffene Begripal, das jetzt vom Markt genommen werden musste.

Die Glaubwürdigkeit der Pharmaindustrie wie der Kontrollbehörden ist durch die sich wiederholenden Skandale nicht nur um Impfstoffe mehr als nur angekratzt. Wie bereits im bisher auch nicht annähernde geklärten Organspende-Skandal werden die skrupellosen Geschäfte de Konzerne wieder einmal auf Kosten der Patienten betrieben: Das Monstergeschäft machen die Konzerne. Das Risiko bleibt bei den Menschen, die die Kaaen der Konzerne füllen. Eine Erkenntnis haben wir immerhin mittlerweile gewonnen: Grippeimpfstoffe sind in etwa so sicher wie die Renten oder das Wetter.

Norbert Jos Maas



Mittwoch, 24. Oktober 2012

Novartis-Grippeimpfstoffe vorläufig gestoppt - Verdacht der Nebenwirkungen
Italien und Schweiz stoppen Auslieferung und warnen
Deutsche Behörden wollen den Impfstoff Fluad prüfen

Mehrere Grippeimpfstoffe des Schweizer Pharmakonzerns Novartis dürfen in Italien nicht mehr verwendet werden. Auch in der Schweiz haben die Behörden zwei Novartis-Impfstoffe vorläufig gesperrt. Ursache für die drastischen Vorsichtsmaßnahmen sind mögliche Nebenwirkungen der Novartis-Produkte Agrippal, Fluad und Influpozzi. Der Impfstoff Fluad ist auch in Deutschland zugelassen.
Wie das Nachrichtenmagazin SPIEGEL ONLINE heute Abend berichtete hat das für Impfstoffe in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf Anfrage zugesagt, dass es die Sicherheit des Novartis-Impfstoff überprüfe.

   Weiße Partikel in den Impfstoff-Spritzen   

Aufgefallen waren weiße Partikel in den Impfstoffen. Das italienische Gesundheitsministerium hat nach Berichten mehrer Nachrichtenagenturen und von SPIEGEL ONLINE den Verkauf der Grippeimpfstoffe Agrippal, Fluad und Influpozzi des Pharmakonzerns Novartis mit sofortiger Wirkung gestoppt. Das Ministerium riet der Bevölkerung , sich wegen möglicher Nebenwirkungen nicht mehr mit den Impfstoffen Agrippal, Fluad und Influpozzi impfen zu lassen.

Die italienische Kontrollbehörde (AIFA) will in weiteren Untersuchungen klären, welche Nebenwirkungen mit den Impfstoffen verbunden sein könnten. Der Baseler Konzern Novartis teilte seinerseits mit, er habe den Behörden Informationen über die Impfstoffe zur Verfügung gestellt. Um welche Informationen es sich dabei handelte, wurde bisher nicht bekannt.

   Nur "Verklumpungen"?   

Mittlerweile ließ auch die Schweizer Medikamentenaufsicht Swissmedic die Auslieferung von Agrippal und Fluad vorsorglich gestoppt. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, betonte Swissmedic. Bei den weißen Partikeln in den Spritzen mit den Impfstoffen könne es sich auch um Verklumpungen von normalen Bestandteilen des Impfstoffs handeln, so die Behörde.

In Deutschland ist nur einer der drei Impfstoffe - Fluad - zugelassen. Das für Impfstoffe in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass es die Sicherheit überprüfe. Nach Bekanntwerden der Vorsichtsmaßnahmen in Italien würden die genauen Hintergründe recherchiert, vor allem, um welche Art von Veränderungen innerhalb des Impfstoffs es sich handele. Am Donnerstag will das PEI offiziell Stellung nehmen.

jos

Das makabre Spiel mit Todesstatistiken
Frei erfundene Leichenberge treiben Menschen zur Grippeschutz-Impfung

Symbolbild: Andreas Morlok | pixelio.de
Kaum ein Tag vergeht zurzeit ohne Meldungen über die angebliche Todesgefahr durch eine angebliche Grippewelle, die uns wieder einmal in geradezu epidemischen Ausmaßen überrollen soll in den nächsten Wochen und Monaten. Der Zweck der geschickt von der Pharma-Lobby in Politik, in der Ärzteschaft und bei wissenschaftlichen Instituten ist klar: Wenn nicht jetzt den ganz großen Deal mit Grippeimpfschutz-Mitteln machen - wann dann? Und das wirksamste Marketinginstrument beim Verhökern der in diesem Ausmaß gar nicht benötigten Impfmittel, die zum Teil alles andere als sicher sind, ist seit jeher die Angst. Todesangst, genauer gesagt. Selbst staatliche Institute wie das Robert-Koch-Institut verbreiten skrupel- und schamlos Horror-Zahlen von angeblichen Todesopfern durch Grippe, die einer Prüfung nach seriösen Maßstäben nicht standhalten. 

   Impf-Effektivität lediglich zwischen 35 und 70 Prozent   

Außerdem ist längst bekannt, dass die angebotenen Grippeschutz-Impfungen nicht einmal sonderlich wirksam sind: Die Angaben der Effizienz schwanken zwischen 35 und etwa 70 Prozent. Von einem wirksamen Schutz vor der Erkrankung kann also keine Rede sein.

Beim Schätzen und Hochrechnen der angeblichen Grippe-Gefahr sind die Pharma-Lobbyisten nicht zimperlich. Da wird nicht gekleckert, sondern - wenn schon, denn schon - geklotzt: Im Winter 2002/2003 gab es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Deutschland fünf Millionen Infizierte und 16.000 bis 20.000 Todesfälle, die angeblich auf eine Influenza, also einen Virenbefall zurückzuführen sind. Diese Zahlen sind an den Haaren herbeigezogen.

   Viren und Bakterien verwechselt?   

In den meisten Fällen starben diese angeblichen Grippeopfer nämlich keineswegs an einem Influenza-Virus, sondern an einer bakteriellen Superinfektion. Dass gestandene Wissenschaftler des staatlichen Robert-Koch-Instituts Bakterien mit Viren verwechseln, sollte fairerweise nicht unterstellt werden. Vielmehr deutet einiges darauf hin, dass hier wieder einmal im Dienst der Pharmaindustrie Todesopfer in die Statistik gezaubert werden mussten, und zwar in Massen, um dann die verängstigten Menschen zur Impfung zu treiben - auch wenn sie keiner Risikogruppe angehören, für die eine Impfung durchaus empfehlenswert ist.

Überhaupt beruhen die vollmundig vom Robert-Koch-Institut erfundenen und behaupteten Zahlen bezüglich des Erregers auf reinen Schätzungen, da nur bei wenigen tausend Erkrankten und nach Todesfällen nur in sehr wenigen Einzelfällen ein direkter Virusnachweis veranlasst wird. Eine andere Quelle, die offensichtlich (noch) nicht in der Nähe der Pharma-Lobby angesiedelt ist, kommt denn auch zu ganz anderen Ergebnissen: In der amtlichen deutschen Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden sind zum Beispiel für die Jahre 1998 bis 2007 jeweils nur zwischen 6 und 68 nachgewiesene Todesfälle durch Influenza-Viren verzeichnet.

Der britische Forscher Tom Jefferson hält die Zahl der Grippetoten für systematisch überschätzt, da durch die Methoden der Studien auch alle anderen tödlich verlaufenen grippalen Infekte dem Influenzavirus zugerechnet werden."

   Maximale Todesfälle: 630   

Todesfälle werden in den meisten Ländern von den statistischen Institutionen entsprechend der internationalen Statistik-Klassifikation für Krankheiten erfasst, welche derzeit in der Fassung ICD-10 vorliegt. Bei der Grippe wird unterschieden zwischen nachgewiesenen Fällen (Code J10), welche im Allgemeinen durch virologische Untersuchungen im Labor ermittelt werden und den nicht nachgewiesenen Fällen (Code J11), welche im Allgemeinen aus der Diagnose des Arztes resultieren. Im Klartext: Bei Code J11 liegt lediglich die vage ärztliche Vermutung, aber kein nachweisbarer Beweis vor. Das Statistische Bundesamt in Deutschland ermittelte für die Zeit zwischen 1998 und 2007 jährlich zwischen 3 und 34 nachgewiesene Todesfälle, die durch die virale Influenza verursacht wurden (J10). 

Die Zahl der nicht nachgewiesener Fälle (J11) lag durchaus höher - aber keineswegs im vom Robert-Koch-Institut behaupteten Ausmaß: auch bei dieser Zählweise kamen die "Erbsenzähler" des Statistischen Bundesamtes nicht auf die Grippe-Leichenberge des Horror-Szenarios der Pharma-Lobby: Nimmt man die möglichen, aber nicht nachgewiesenen Todesfälle durch Grippe mit in die Rechnung, sind es immer noch lediglich zwischen 63 bis 330 Menschen, die - einigermaßen seriös berechnet - jährlich an der Grippe sterben - aber mehr eben nicht.

   Angstkäufe mit Millionenverlusten für den Steuerzahler   

Eine fragwürdige Rolle spielte das Robert-Koch-Institut übrigens auch beim Schweinegrippe-Skandal 2009. Damals hatten Panik-Vorhersagen unter anderem des Robert-Koch-Instituts dafür gesorgt, dass die deutschen Bundesländer sich gigantische Überkapazitäten an Grippeimpfschutzmitteln von der Industrie andrehen ließen. Auch nachdem längst feststand, dass die frei erfundene Pandemie nicht stattgefunden hatte, blieb das RKI bei seinen Falschaussagen. Den nicht benötigten Impfstoff mussten die Gesundheitsbehörden dann mit Millionenverlusten als gefährlichen Sondermüll verbrennen lassen, nachdem der zynische Versuch einiger Bundesländer, den teilweise nicht einmal ausgetesteten Impfstoff an osteuropäische Staaten zu verkaufen, gescheitert war. 

jos

Dienstag, 23. Oktober 2012

Nicht alle Grippeschutz-Impfstoffe sind unbedenklich
Gesundheitsministerin Özkan als Pharma-Model "Nur ein Pieks"

Foto Özkan: AxelHH|Wikipedia
Alle Jahre wieder das gleiche Ritual - passenderweise kurz vor Weihnachten: Promis streifen Blusen-, Hemd- oder Pulliärmel hoch und Lächeln mehr oder weniger routiniert strahlend wie ein Honigkuchenpferd hoch und zeigen tapfer Oberarm, während ihnen eine Arzthelferin eine Injektionsnadel in den Muskel rammt: Es ist wieder mal Grippeschutz-Zeit. Und die bedeutet für die Pharmaindustrie ähnliches wie das parallel startende Weihnachtsgeschäft für Spielwaren-, Duftwasserchen- und Buchproduzenten: Umsatz, Unsatz, Umsatz. Heute machte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan das Model für Novartis und Co. Ihre Botschaft: Grippeimpfen ist einfach hip - und überhaupt: "Nur ein Pieks". Aber auch in diesem Jahr gibt es wieder Warnungen vor einzelnen Impfstoffen.

Die Imagekampagnen der Pharmaindustrie und ihrer Lobbyisten in der Politik haben Tradition: 2009 landeten die Pharmaskandale einen ganz großen Coup: sie erfanden eine angeblich drohende Schweinegrippe-Pandemie und brachten mit der geschickt geschürten Panik alle deutschen Bundesländer dazu, Riesenvorräte an teurem Grippeimpfstoff anzukaufen. Die Impfstoffe waren mit Adjuvantien angereichert, die nie getestet worden waren und, weil riskant - eigentlich gar nicht auf den Markt kommen dürfen.

Natürlich fand die frei erfundene Pandemie nie statt. Die Folge: Millionen Impfdosen mussten mit Riesenverlusten für die öffentlichen Kassen vernichtet werden.

Einer der wenigen seriösen Warner vor dem unseriösen und möglicherweise gefährlichen Deal von 2009 , der Berliner Arzt und Apotheker Wolfgang Becker-Brüser, weist auch in diesem Jahr wieder auf mögliche Gefahren hin, die die an sich sinnvolle Impfung gegen die Influenza mit sich bringt. Genauer gesagt: Es geht um das das Grippeschutz-Mittel "Optaflu".

Der Herausgeber des unabhängigen Informationsdienstes "arznei-telegramm", Wolfgang Becker-Brüser warnt davor, dass dieserbStoff Stoff des Pharma-Unternehmens Novartis nicht hinreichend getestet sei und möglicherweise krebserregend sind: “Darin sind Gen-Bruchstücke enthalten, die noch Krebs-Informationen enthalten können”, wird Becker-Brüser zitiert. Der Grund dafür liege in der Herstellung. Der Wirkstoff wird in speziellen Tumor-Zellen von Hunden gezüchtet. In den USA ist “Optaflu” verboten, in der EU hat das Mittel die Hürde der Zulassung aber genommen. Die Zulassungsbehörde in Deutschland, das Paul-Ehrlich-Institut, dementierte eine mögliche Gefahr und gab an, dass “Optiflu” in 100.000 Fälle ohne Komplikationen eingesetzt worden sei. Das staatliche Paul-Ehrlich-Institut gilt als Industrie-Äffin.

Becker-Brüser kritisiert hingegen, dass in einer Studie nur 4.000 Personen untersucht worden seien – und dies bereits ein halbes Jahr nach der Impfung. “Will man eine mögliche Krebsgefahr ausschließen, muss man die Versuchspersonen viel länger beobachten”, sagt der Experte. Novartis behauptete in einer Stellungnahme, die Risiko-Zellen seien im Endprodukt entfernt worden.

jos

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Neurologen-Geselschaft zeichnet ihren 2. Vorsitzenden
Dingebauer-Preis für Prof. Heinz Reichmann wegen "Forschungen zu Grundlagenwissenschaften und klinischen Aspekten der Parkinson-Krankheit"

Prof. Heinz Reichmann - Foto: TU Dresden
Für seine Forschung zur Parkinson-Krankheit zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie ihren 2. Voritzenden und früheren Vorsitzenden Prof. Heinz Reichmann, mit dem mit 25.000 € dotierten Dingebauer-Preis ausgezeichnet. Zweiter Preisträger ist Professor Andrew Lees aus London.

Die "Dr. Friedrich-Wilhelm und Dr. Isolde Dingebauer-Stiftung" verleiht den Preis alle zwei Jahre. Die Stiftung der im vergangenen Jahr verstorbene Dortmunder Ärztin Dr. Isolde Dingebauer erinnert mit dem ausgelobten Preis an Mann Isole Dingebauers, der 1999 in einer Parkinson-Klinik verstorben war.

Der diesjährige Preisträger Prof. Heinz Reichmann ist  Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Dresdener Universitätsklinikum, Davor arbeitete er in Konstanz, am Institute of Neurology der Columbia University in New York und als Professor für Neurologie an der Universität Würzburg.

Das Studium der Humanmedizin schloss Reichmann 1979 in Freiburg ab. Seine Arbeitsschwerpunkte sind neuromuskuläre Erkrankungen, extrapyramidale Bewegungsstörungen wie Parkinson, Neurosarkoidose sowie Störungen des Energiestoffwechsels in Gehirn und Muskel.

2005 wies er auf dem Welt-Parkinson-Kongreß in Berlin auf die Bedeutung von Riechstörungen als früher Hinweis auf eine Parkinon-Erkrankung hin: "Von hundert Parkinson-Patienten berichten achtzig über Riechstörungen. Bei zehn weiteren läßt sich eine Riechstörung durch Riechtests nachweisen", berichtete er damals.

Reichmann hatte beobachtet, dass Riechstörungen, insbesondere für Oregano und für Vanille, zu den allerfrühesten klinischen Indikatoren für die Erkrankung gehören. Reichmanns Rat im Jahr 2005: Solche Sinnesirrittionen sollten eine neurologische Untersuchung nach sich ziehen. Ebenfalls ein frühes Zeichen seien einseitige Schulter-Arm-Schmerzen am Morgen.

"Hier sollten Ärzte zumindest überprüfen, ob der entsprechende Arm beim Gehen noch mitschwingt", betonte Reichmann. Wenn nein, könne das ein deutlicher Hinweis auf einen Morbus Parkinson sein.

jos

chronischLEBEN Hintergrund:
Würdigung der Verdienste  oder Ringelreihen der Gefälligkeiten?

Anders als bei wirklich beutenden Auszeichnungen wie den Nobel-Preisen etwa wird bei Preisen wie dem der Dingebauer-Stiftung eher vernebelt, warum nun eigentlich der oder jene geehrt und mit Preisgeldern belohnt wird. So ist es auch mit dem Preisträger Heinz Reichmann. Die Dingebauer-Preis-Jury hält sich vornehm zurück mit ihrer Begründung.

Da ist nur pauschal die Rede davon, der Dresdener Klinik-Chef werde "für seine Forschungen zu Grundlagenwissenschaften und klinischen Aspekten der Parkinson-Krankheit" ausgezeichnet. Das ist reichlich dünn.

   Forschungs-Schnee von vorgestern aufgewärmt?   

chronischLEBEN hat recherchiert - und ist dabei lediglich auf die alles andere als epochale Berichterstattung Reichmanns über die hinlänglich bekannten möglichen Parkinson-Frühsymptomen "Riechstörung" und den nicht mitschwingenden Arm gestoßen. Und das war vor sieben Jahren. Forschungs-Schnee von vorgestern also.

Ansonsten ist die von Reichmann geleitete Dresdener Klinik nicht besser oder schlechter als andere Häuser. Preisverdächtig sind Haus und Chef nicht sonderlich.

Der Dingebauer-Preis befindet sich mit seinen Nebelschwaden übrigens in guter Nachbarschaft. Ein Blick in die Preisträger-Liste einer anderen Stiftung, die sich medienwirksam und fundraising-effektiv in Sachen Parkinson tummelt, lohnt sich: Die Florstädter "Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung" verleiht zum Beispiel ebenfalls alle zwei Jahre sogenannte "Forschungspreise". Die Preisträger, die bis zu 15.000 EURO kassierten, zeichnen sich - wie die der Dingebauer-Preise - nicht unbedingt durch bahnbrechende Forschungen aus.

   "Forschungs"preise für Steiner-Begeisterte und Rüttel-Professor   

Da wurde 2002 eine Susanne Schäfer ausgezeichnet, die sich wohlklingend gern "Suzie Mc Coy" nennt und keinerlei Berührungspunkte mit wissenschaftlicher Arbeit hatte und hat. Warum sie mit einem "Forschungspreis" ausgezeichnet wurde? So recht klar wurde das nie. Frau Schäfer ist wie gesagt keine Forscherin, dafür aber von den namenstanzenden Ideen des Antroposhen Rudolf Steiner begeistert.

10.000 Euro bekam der Sportwissenschaftler Christian Haas. Wofür? Er übertrug Trainingsmethoden für Hochleistungssportler auf die Therapie von Parkinonkranken, ließ ein Minigruppe von Parkinson-Patienten ein dubioses, gesundheitlich nicht unbedenkliches, weil Tromben fördernden Rüttelgerät ausprobieren, und nannte das Probetraining dann eine "wissenschaftliche Studie".

Und in diesem Jahr wurde der Neurologe Bastiaan Bloem aus Nijmegen mit dem Hilde-Ulrichs-Forschngspreis geehrt. Bloem hat sich eingehend mit der verbüffenden, aber seit Jhren bekannten Tatsache beschäftigt, dass Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS) oft in fortgeschrittenem Stadium zwar kaum noch gehen können, dafür aber problemlos Mit dem Fahrrad fahren - warum, das wissen weder Bloem nach seinen Forschungen noch wir radelnden Parkinson-Kranken so genau.

Das Rätsel um die Kriterien für Vergabe solcher Preise kleiner Stiftungen bleibt wohl weiter ungelöst. Oder vielleicht doch nicht?

   Jury ernennen und Preis kassieren - Zufall?   

Einen Hinweis gibt zuweilen ja auch die Zusammensetzung der Preisjury. Die Juroren des an den Dresdener Klinikleiter und - welch ein Zufall früheren ersten, jetzt zweiten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Heinz Reichelk verliehenen Dingebauer-Preises bestimmt - der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Erste Vorsitzende der DGN waren unter anderem G. Deuschl, Kiel (2007) - er bekam 2004 den Dingebauer-Preis, H. Reichmann, Dresden (2009), der in diesem Jahr den Preis erhält und W.H. Oertel, Marburg (seit 2011)., der sich den Preis 2004 mit Deuschl teilte.

Die persönlichen Verquickungen von Vorständen der DGN, die die Juroren für den Preis bestimmen, und den Preisträgern können rein zufällig sein - sie müssen es aber nicht.

Norbert Jos Maas


Freitag, 21. September 2012

Impfen, impfen impfen - aber
Die meisten Ärzte selbst mögen die Impfspritze nicht

Symbolbild: Andreas Morlok | pixelio.de
Dass Ärzte gern schon mal Wasser predigen und dann genüsslich bis reichlich Wein schlürfen, ist bekannt. Dass sie aber rein medizinisch sich genau das Gegenteil von dem antun (oder eben nicht antun), was sie ihren Patienten als "absolutes Muss" verordnen - das wird von Seiten der Weißkittel gerne verschwiegen. Jetzt veröffentlichte das staatliche Robert-Koch-Institut als oberster Impfwächter die Ergebnisse einer Studie, die auf den ersten Block verblüfft: 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte lassen sich nicht regelmäßig gegen Influenza impfen. Andere Studien kommen zu noch krasseren Ergebnissen.

In den Kliniken machen zum Beispiel noch mehr Ärzte einen großen Bogen um den Pieks mit dem Grippe-Impfstoff: Bei einer Studie über die Impfquoten von Mitarbeitern in hessischen Kliniken stellte sich heraus, dass in 80 Prozent der Häuser sich höchstens jeder fünfte Mitarbeiter gegen Influenza impfen ließ Und in der Hälfte der Kliniken, in denen die Raten der einzelnen Berufsgruppen erfasst waren, lag der Anteil der Geimpften unter den Ärzten noch niedriger als beim Pflegepersonal.

Eine schallende Ohrfeige für die Lobbyisten der Pharmaindustrie, die auch in diesem Jahr schon wieder begonnen haben, einen geradezu hysterischen Angst-Hype in Sachen Epi-und Pandemien rund um die Grippe zu verbreiten, sind die Begründungen der rund 60 Prozent ärztlicher Impfverweigerer an einer deutschen Universitätsklinik: Sie seien

  • keinem speziellen Risiko ausgesetzt gaben 55 Prozent der Ärzte an, die sich nicht impfen ließen,
  • Influenza sei keine schwerwiegende Erkrankung (17 Prozent) oder
  • der Impfstoff biete keinen hinreichenden Schutz (17 Prozent).
jos


chronischLEBEN-Kommentar:
Sind Ärzte unglaubwürdig - oder einfach nur Realisten?

Der Journalist Robert Bublak kommentierte gestern die Impfverweigerung der Mehrzahl der Ärzte in der "Ärzte Zeitung" so:
"Es geht um Glaubwürdigkeit. Ein Physiker, der erklärt, er habe zwar gelernt, dass die Erde eine Kugel sei, glaube aber, sie sei eine Scheibe, darf kaum damit rechnen, weiterhin ernst genommen zu werden. Und ein Arzt, der den Stand der Medizin für sich selbst ignoriert, kann nicht davon ausgehen, dass man seinen Ratschlägen folgt".
chronischLEBEN sieht das ein wenig anders: Dem Fachjournalisten Bublak ist natürlich zuzustimmen, wenn er die Glaubwürdigkeit der Ärzte in Frage stellt. Die verdienen gut an den jährlichen Impfaktionen - vor allem, weil die Grippeschutzimpfungen ihr Budget nicht belasten.

Warum aber lassen sich die meisten Ärzte selbst nicht impfen: Möglicherweise durchschauen sie einfach die (Grusel-)Märchenerzähler der Pharmaindustrie.

Es stellt sich nämlich vor allem die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Hersteller und Verkäufer der Impfstoffe - und der von Bundesinstituten wie dem RKI und von Landesbehörden, die sich Jahr für Jahr als willige Erfüllungsgehilfe der Umsatzträume der Pharmaindustrie bewähren.

Ich bin kein Impfgegner - und werde mich als Mitglied einer besonders gefährdeten Risikogruppe auch in diesem Jahr wieder impfen lassen (mit hoffentlich "sicherem Impfstoff). Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass die künstlich geschürte Grippe-Pandemie-Panik, die immer wieder von der Industrie, ihrer mächtigen Lobby in Politik und Wissenschaft sowie sensationslüsternen Medien geschürt wird, völlig gegenstandslos war.

Problematisch: Wenn es tatsächlich dann mal eine echte Grippeepidemie geben sollte, nimmt sie niemand mehr ernst. Weil: Die Panik stumpft ab. Und das wäre fatal. Warnen vor den Risiken einer schweren Grippe vor allem für Risikogruppen? Das muss sein. Aber Panik-Aktionen, die nur dem Zweck dienen, den Umsatz ohne Rücksicht auf Verluste zu steigern? Das tut nicht gut. Und so gesehen ist die realistischere Sicht der die Grippeschutzimpfung verweigernden Ärzte ein Signal, das wir Patienten ohne Häme wahrnehmen sollten.

Norbert Jos Maas


US-Arzneimittel-Behörde : Noch kein schlüssiger Beweis
Parkinson-Medikament Sifrol und Herzschwäche - Erste Hinweise

Möglicherweise kann es bei der Parkinson-Therapie mit dem L-Dopa-Agonisten Pramipexol zu Herzinsuffizienzen kommen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) geht zurzeit entsprechenden Hinweisen aus klinischen und epidemiologischen Studien nach. Die FDA weist allerdings darauf hin, dass bisher ein schlüssigen Beweis für eine Schädigung des Herzens durch das Medikament, das in Deutschland Parkinsonkranken unter dem Handelsnamen Sifrol häufig verschrieben wird, noch fehlt.

Hinweise auf eine mögliche Herz-Schädigung wurden zuerst in einer zusammenfassenden Analyse gefunden: Dort kam es unter der Behandlung mit Mirapex (der Markenname in den USA für Pramipexol = Sifrol) bei 12 von 4.157 Patienten zur Herzinsuffizienz im Vergleich zu 4 Herzinsuffienzen von 2.820 Patienten, die mit wirkstofffreien Placobos behandelt wurden.

Eine spätere Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Verordnung von Dopamin-Agonisten mit einer signifikant erhöhten Rate von späteren Diagnosen einer Herzinsuffizienz assoziiert war. Auch bei dieser Studie spielte Pramipexol eine auffällige Rolle. Kürzlich wurde dann eine zweite epidemiologische Studie veröffentlicht. Sie bringt Mirapex (Sifrol) ebenfalls mit einer erhöhten Rate von Herzinsuffizienzen in Verbindung.

Die FDA will weitere Untersuchungen veranlassen. Zunächst einmal seien keine Einschränkungen oder Warnhinweise geplant, so die US-amerikanische Aufsichtsbehörde.

jos

Mittwoch, 19. September 2012

Gewinnträchtiges "Wundermittel" floppt
Fischöl-Omega-3-Kapseln ohne jede Wirkung

Im Gegensatz zu Fischöl-Kapseln urgesund: Echter Fisch
Kapseln mit Omega-3-reichem Fischöl wurden und werden in diversen Gesundheitsportalen im Internet mit und ohne kommerziellen Hintergrund seit Jahren als eine Art "natürliche Wunderwaffe" zum Schutz vor Herzinfarkten angepriesen. Jetzt halben Wissenschaftler in einer groß angelegten Meta-Analyse nachgewiesen: Die Kapseln sind ohne jede Wirkung
.
Die ersten Hinweise auf eine mögliche Schutzwirkung von Fischöl kamen in den 1970er-Jahren von den Inuit in Grönland. Epidemiologen war aufgefallen, dass ihre Herzinfarktrate um 90 Prozent niedriger lag als die Herzinfarktrate der dänischen Bevölkerung. Inuit ernährten sich damals noch weitgehend von Wal- und Robbenfleisch, das einen außergewöhnlich hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren hat. Daraus schlossen Wissenschaftler in den 70er Jahren, dass die mehrfach ungesättigten Fettsäuren gefäßschützend wirken.

   Viel fetter Fisch - das half 1989 überleben   

Wissenschaftliche Unterstützung für diese Hypothese lieferte dann 1989 die Studie "DART 1": Bei männlichen Patienten nach einem Infarkt (Postinfarktpatienten), die zwei- bis dreimal in der Woche fetten Fisch aßen, war die 2-Jahres-Mortalität um beeindruckende 29 Prozent reduziert.

Bestätigt wurden diese Daten dann zehn Jahre später durch die berühmte GISSI-Studie, ebenfalls bei Postinfarktpatienten. Hier bestand die Therapie aus täglich 885 mg marinen Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure, EPA, plus Docosahexaensäure, DHA).

Die Hälfte der 11.324 Studienteilnehmer wurde damit behandelt - und hatte nach 3,5 Jahren eine um relativ 15 Prozent niedrigere Rate an Todesfällen und nicht tödlichen kardiovaskulären Ereignissen als die unbehandelte Kontrollgruppe.

   "Erfolgsquote" ging auf Null zurück   

Spätere Studien verzeichneten dann kaum noch einen gefâßschützenden Effekt der Omega-3-Kapseln. Immerhin sprachen Wissenschaftler aber weiterhin von einem "kleinen Vorteil" in puncto Überleben und Erkrankung im Herzgefäßbereich.

In nachfolgenden großen Studien mit Postinfarktpatienten konnte der postulierte kardiovaskuläre Nutzen der Omega-3-Fettsäuren dann nicht reproduziert werden. Die Einnahme von 400 bis 1000 mg EPA/DHA pro Tag führte bei den bereits optimal mit Lipidsenkern, Antihypertensiva und Antithrombotika behandelten Patienten zu keinem weiteren Rückgang der sowohl bei der Sterblichkeit als auch bei den kardiovaskulären Vorfällen in Folge.

Eine Metaanalyse kommt jetzt ebenfalls zu dem Schluss, dass "bei verschiedenen Patientenpopulationen zwischen der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und kardiovaskulären Ereignissen kein signifikanter Zusammenhang zu erkennen ist".

   Fisch gehört weiter auf den Tisch   

Professor Jochen Senges aus Ludwigshafen, Leiter der OMEGA-Studie, hat dieses Ergebnis erwartet. "Wir haben in unserer Studie überhaupt keinen zusätzlichen Nutzen gesehen", zitiert die Ärzte Zeitung den Wissenschaftler. Wenn Postinfarktpatienten leitliniengerecht behandelt würden, dann sei dies offensichtlich nicht zu erwarten.

Die neuen Erkenntnisse sind in der neuen Herzinfarkt-Leitlinie der europäischen Kardiologen-Gesellschaft (ESC) berücksichtigt: "Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren konnte (...) in Studien mit zeitgemäßen evidenzbasierten Präventionsstrategien die klinischen Ergebnisse nicht verändern und kann daher nicht als Standard empfohlen werden", heißt es dort.

Empfohlen wird aber weiterhin, regelmäßig Fisch zu essen."Diese Empfehlung ist weiter gerechtfertigt. Fisch besteht ja nicht nur aus Omega-3-Fettsäuren, sondern ist als Bestandteil einer kardioprotektiven mediterranen Kost sicher sinnvoll." Auch nach der ESC-Leitlinie zur Herz-Kreislauf-Prävention sollte mindestens zweimal in der Woche Fisch auf dem Speiseplan stehen.

jos

Samstag, 15. September 2012

Trotz schwerer Leberschäden und Todesopfern
Bundesaufsichtsbehörde lehnt Rezeptpflicht für Paracetamol kategorisch ab

Es ist erst wenige Monate her, da diskutierte der Sachverständigenausschuss für über eine Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für das Schmerzmittel Paracetamol mit dem Hinweis auf unter anderem Leberschäden. Jetzt beendet das dem Bundesgesundheitsministeriums angegliederte Institution diese konträr geführte Diskussion abrupt: Es gebe keinerlei Gründe zur weiteren Einschrâmkung im freien Verkauf des Schmerzmittels, heißt es jetzt. Es gebe keine Hinweise auf klinisch relevante Leberschäden unter therapeutischer Dosierung, so die für Deutschland zuständige Arzneimittelbehörde.

Vor wenigen Monaten, am 26. Juni, waren noch andere Töne aus deutschen Arzneimittelbehörde zu hören. Niemand geringerer als BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger damals wörtlich: „Für uns als Überwachungs­behörde steht außer Frage, dass eine übermäßige Anwendung von Schmerzmitteln im Einzelfall schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann“. Das habe die Auswertung wissenschaftlicher Studien ergeben.

Im Bulletin, das gestern vom BfArM und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) veröffentlicht wurde, wird plötzlich anderes behauptet. Jetzt heißt es dort: "Die Zahl der Fälle von Leberversagen in Deutschland durch Überdosierung von Paracetamol ist niedrig und mit einer auch im internationalen Vergleich sehr kleinen Zahl von Todesfällen oder Lebertransplantationen verbunden."

Bislang ist die verschreibungsfreie Abgabe von Paracetamol auf eine Packungsgröße mit einem Gesamtwirkstoffanteil von 10 g beschränkt.

Möglicher Hintergrund des BfArM- Sinneswandels: Paracetamol gilt als eine Art 08/15-Pille bei leichten bis mäßig starken Schmerzen, wie Kopf-, Zahn- oder Regelschmerzen, sowie Fieber. Es liegt mit jährlich mehr als 50 Millionen verkauften Packungen auf Platz eins der verschreibungsfreien Analgetika.

jos


chronischLEBEN-Kommentar:
Die Lobby ist immer und überall -
Ein paar Todesopfer dürfen das Geschäft nicht stören

Cool und ganz offen Kollateralschäden wie Todesopfer und Lebertransplantationen in Kauf nehmend wischt die oberste deutsche Arzneimittelbehörde Bedenken gegen ein Schmerzmittel vom Tisch, die nicht nur sprichwörtlich "in aller Munde" sind. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass wieder einmal die Pharma-Lobby einen ihrer mittlerweile, kaum noch zu zählenden gewinnbringenden Siege auf Kosten der Patientensicherheit gewonnen hat.

   "Schwere gesundheitliche Folgen" (BfArM-Chef Schwerdtfeger im Juni 2012)   

Die Bedenken, die seit mehr als einem Jahr in den Gremien der Bundesaufsichtsbehörde in Sachen Arzneimittelsicherheit diskutiert werden, kommen nicht von irgendwelchen überängstlichen Patienten-Weicheiern, sondern von gestandenen Wissenschaftlern. Die Stellungnahme, die niemand anderer als der Chef des BfArM, Walter Schwerdtfeger noch vor wenigen Monaten veröffentlichte, ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Er warnte unmissverständlich davor, dass der Missbrauch von Schmerzmitteln "schwerwiegende gesundheitliche Folgen" haben könne. Das einzig probate Mittel, um einen solchen Missbrauch, sprich Überdosierung in jeglicher Form zumindest einzudämmen ist die Rezeptpflicht.

Solange ich weiterhin in die nächstbeste Apotheke gehen und mir regelmäßig die freiverkäufluche Menge von zehn Gramm Paracetamol ikaufe und schlucke, handle ich zwar unvernünftig, aber mit dem Segen des BfArM. Und wenn ich mir dann eine Leberschäden "einhandle", eine Lebertransplantation brauche oder sterbe - dann habe ich einfach Pech gehabt und geselle mich aufmüpfig murrend zu der "sehr kleinen Zahl" der Paracetamol-Opfer, die die Bundesaufsichtsbehörde, die mir möglichst sichere Arzneimittel garantieren soll, achselzuckend in Kauf nimmt.

   Die Lobby ist immer und überall   

Mich wundert die Wendehals-Mentalität der Sicherheitskontrolleure unserer Bundesregierung übrigens nicht sonderlich. Angesichts des rückgratlosen Bäumchen-Wechsel-dich-Spiels der verantwortlichen Akteure auf asnahmslos allen Ebenen bis in die WHO hinauf, die mal in Pharmakonzernen ihre gut belegten Brötchen verdienen und dann wieder für Vater Staat in verantwortlichen Positionen just die Konzerne kontrollieren sollen, gleicht es eher einem kleinen Wunder, wenn sich in den Aufsichtsbehörden dann hin und wieder doch einmal diejenigen durchsetzen, die mit ihren Entscheidungen der übermächtigen Pharmaindustrie auch auf die Füße treten.

Eine Rezeptpflicht für Paracetamol hätte der Pharmaindustrie nun gar nicht geschmeckt. Zum echten Blockbuster und Milliardengeschäft werden Paracetamol und Co erst durch den freien Zugriff ohne lästiges Rezept.

Das galt es zu verhindern. Für die Pharma-Lobbyisten, die sich in den Parlamenten und Ministerien breit machen, dürfte das wohl eine der leichteren Übungen gewesen sein.

Denn wie sang doch schon die Erste Allgemeine Verunsicherung EAV schon 1985 so treffend? Die Lobby ist immer und überall (ach ne, bei denen war es doch eher "Das Böse")

Norbert Jos Maas


Sexualität findet eben doch mehr im Kopf statt
Kardiologen sprechen Betablocker und Diuretika von der Potenzstörung frei

Als Grund für erektile Dysfunktion (die "gute alte Impotenz") wird - auch von den meisten Ärzten - gern die Einnahne von Beta-Blockern und Diuretika in der Bluthochdruck genannt. In der Fachzeitschrit "Der Internist" stellt der Kölner Kardiologe Prof Erland Erdmann diese These zumindest in Frage. Die Ergebnisse seiner Studie bestätigt: Sexualität findet vor allem im Kopf statt.

In der Erdmann-Studie mit 96 Männern gaben zunächst 3,1 Prozent der Probanden eine erektile Dysfunktion an, wenn sie (noch) nicht wussten, welche Medikamente sie einnahmen. Verblüffend: Erfuhren die Männer, dass sie mit Beta-Blockern medikamentiert wurde, gaben 15,6 Prozent eine Impotenz an - und wurde ihnen gesagt, dass solche Betablocker eine erektile Dysfunktion zur Folge haben könnten, stieg der Anteil der Männer, die unter dieser sexuellen Störung litten, noch einmal sprunghaft an: Auf 31,2 Prozent - das rund Zehnfache der Quote, die ursprünglich davon betroffen war.

So weit, so aufschlussreich. Der Kölner Kardiologe wollte es aber noch genauer wissen. Er schlug den Patienten mit erektiler Dysfunktion eine Behanddlung mit dem Potenzmittel Sildenafil (Viagra) vor. Das Ergebnis (das nach den ersten Ergebnissen nun schon nicht mehr verblüfft: Die Therapie der Impotenz mit den kleinen blauen Helgerlein war genauso wirksam wie die mit wirkstofffreien Placebos.

Der lakonische Kommentar des Kardiologen Erdmann: Psychologische Faktoren sind bei erektiler Dysfunktion nicht zu unterschätzen.

Weitgehend "freigesprochen" werden sowohl Betablocker als auch Diuretika von dem Vorwurf der Potenzstörerei auch durch Untersuchungen des Bremer Kardiologen Dr. Erhard König. Er betont: Die Durchblutungsstörung ist die Ursache der Erektionsstörung, nicht ein blutdrucksenkender Wirkstoff. König: "Es hat sich gezeigt, dass bei der Einnahme von Betablockern nur geringfügig mehr erektile Dysfunktionen auftreten." Über die Wirkung von Diuretika - also Medikamenten mit harntreibender Funktion, die ebenfalls blutdrucksenkend wirken - gibt es nur wenig belastbare Aussagen. "Zwar war nach zwölf Monaten der Einnahme eine signifikante Verschlechterung nachweisbar. Nach 24 Monaten allerdings bereits nicht mehr", erklärt König weiter.

Und einen ganz praktischen Tipp hat Dr. König auch: "In jeder Hinsicht lohnt es sich, Gefäßerkrankungen und Bluthochdruck durch gesundheitsbewusstes Verhalten positiv zu beeinflussen. Regelmäßiger Ausdauersport wie Walking, ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol und ein Abschied von der Zigarette helfen, Blutgefäße gesund zu erhalten und können damit auch Erektionsstörungen vorbeugen."

jos


Donnerstag, 6. September 2012

Ärztepfusch - Tendenz steigend
Nach Patientenbeschwerden: Gutachter weisen
Ärzten immer mehr Behandlungsfehler nach

Immer mehr Behandlungsfehler in Op und Arztpraxen nechgewiesen

Foto: AOK-Bilderservice
Wie viele sogenannte Kunstfehler den Ärzten tatsächlich passieren, ist unbekannt. Mit harten belegbaren Zahlen schlägt der Medizinische Dienst beim Spitzenverband der Krankenkassen (MDK) jetzt aber Alarm: Mehr als 4.000 Behandlungsfehler wurden 2011 Ärzten allein im Bereich des MDK nachgewiesen. Tendenz: steigend. 

Die Bundesärztekammer hatte bereits im Juni die von den Kammern erfassten Behandlungsfehler bekannt gegeben. Auch bei diesen, nicht vom MDK, sondern von der Standesvertretung selbst erfassten Fällen gab es keinen Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Die Gutachterstellen und Schlichtungskommissionen der Ärztekammern meldeten 99 Todesfälle, die durch Ärztepfusch verursacht wurden ( 2010 waren es noch 87 Fälle). Und: 2287 Behandlungen oder Diagnosen waren nachweislich falsch oder die Patienten wurden nicht richtig über die Risiken der Behandlung aufgeklärt. Insgesamt hatten sich 11.107 Patienten bei den Gutachterstellen und Schlichtungskommissionen der Ärztekammern beschwert.

Zurück zu den jetzt vorgelegten Zahlen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Die Gutachter des MDK überprüften im vergangenen Jahr insgesamt 12.686 Vorwürfe. Dabei haben sie rund 4.070 Behandlungsfehler in Kliniken und Arztpraxen festgestellt. In fast jedem dritten Fall wurde demnach der Vorwurf bestätigt.

Zwei Drittel der Vorwürfe richteten sich gegen Krankenhäuser, ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte. In drei von vier bestätigten Fällen führte der Kunstfehler zu einem Gesundheitsschaden.

Gepfuscht wird offenbar vor allem von Orthopäden und Chirurgen. Die meisten Fehler machten Ärzte bei der Therapie von Kniegelenks- und Hüftgelenksarthrose. Am häufigsten konfrontierten die Patienten Orthopäden und Chirurgen mit Vorwürfen.

Die Zahl der nachgewiesenen Behandlungsfehler steigt stândig an. Laut dem letzten Fehlerbericht des Medizinischen Dienstes wurden im zweiten Halbjahr 2010 rund 6.300 Behandlungsfehler-Erstgutachten erstellt. Damals wurde "nur" in jedem fünften Fall ein Behandlungsfehler bestätigt. Im Jahr 2009 wurden bei 11.477 Erstgutachten in rund einem Viertel der Fälle die Behandlungsfehler von den Gutachtern attestiert. Der Medizinische Dienst begutachtet seit 1995 jährlich eine große Zahl solcher Vorwürfe, mit denen sich Versicherte an ihre Kasse wenden.

Wie viele Kunstfehler insgesamt passierten, ist unklar. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Denn Patienten können sich auch an die Ärztekammern wenden oder den Mediziner direkt verklagen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen erfasst nur einen Teil der Behandlungsfehler. Schätzungsweise rund 40.000 Versicherte beanstanden pro Jahr insgesamt ihre Behandlung bei Ärztekammern, Kassen und vor Gericht. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge sollen insgesamt zehntausende Menschen jedes Jahr wegen Ärztefehlern allein in Deutschlands Kliniken sterben. Das Bundesgesundheitsministerium geht von einer Spanne zwischen 40.000 bis 170.000 Behandlungsfehlern pro Jahr aus.

jos

Mittwoch, 29. August 2012

Langzeitstudie über 38 Jahre zeigt:
Kiffen verblödet

Zwar wird immer wieder behauptet: "Intelligenz säuft". Aber das ist ebenso ein Ammenmärchen - und das Wunschdenken hoffnungsloser Saufbolde - wie die Behauptung, Kiffen sei ein absolut harmloses Vergnügen. Beiden Drogen, die legale, die zum gesellschaftlich guten Ton gehört, ebenso wie der Cannabis-Konsum, haben eines gemeinsam: Sie machen dumm. Eine jetzt veröffentlichte Langzeitstudie aus den USA zeigt: Kiffen lässt den IQ seiner Konsumenten unwiderruflich schrumpfen. Und dass sich bei jedem alkoholischen Rausch einen Menge Gehirnzellen auf Nimmerwiedersehen verabschieden, hat die Wissenschaft, ganz nüchtern betrachtet, schon seit langem bewiesen.

Forscher um Madeline Meier von der Duke University in Durham (Bundesstaat North Carolina) fanden in einer 38 Jahre andauernden Studie heraus, dass Hanfkonsum das zentrale Nervensystem unwiderruflich schädigen und den Intelligenzquotienten (IQ) senken kann. Das berichten sie im US-Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("Pnas").

Nach Angaben der Wissenschaftler nimmt der IQ umso stärker ab, je früher die Menschen beginnen, Cannabis zu sich zu nehmen. Bei dauerhaften Konsumenten stellten sie fest, dass sich bestimmte Bereiche des Gehirns deutlich verschlechterten und dieser Zustand über Jahre anhält.

   Studie mit 1.000 Teilnehmern    

Nach Angaben der Forscher zeigten ihre Untersuchungen darüber hinaus, dass Langzeit-Kiffer mehr Probleme haben, sich zu konzentrieren oder sich an etwas zu erinnern.

Insbesondere Jugendliche laufen der Studie zufolge Gefahr, zu dauerhaften Konsumenten zu werden, je früher sie in Kontakt mit der Droge kommen. Auch ihr IQ nahm deutlich ab.

Das jugendliche Gehirn ist nach Angaben der Forscher nicht in der Lage, sich völlig von den Folgen zu erholen. Während des Wachstums mache das Gehirn von Jugendlichen entscheidende Veränderungen durch. Cannabis habe Effekte, die das Nervensystem nachhaltig schädigten.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher über 1.000 Menschen, die Anfang der 70er Jahre in Neuseeland geboren worden waren. Meier und ihre Kollegen begleiteten die Teilnehmer 38 Jahre lang.

jos


chronischLEBEN-Kommentar:
Haschisch wirkt - Zyankali auch

Wir chronisch Kranken neigen verständlicherweise dazu, nach jedem Strohhalm zu greifen, der uns Linderung unserer Schmerzen verspricht -oder auch einfach eine Weile Wohlgefühl. Und mit unschöner Regelmäßigkeit werden immer wieder "sensationelle" Nachrichten über "sensationelle" Heilmethoden oder Mittelchen verbreitet und mit wahrem Glaubenseifer diskutiert, denen eines gemeinsam ist: Sie sind "alternativ", irgendwie "angesagt" und sollen uns die verfluchte Chemie mit ihren unbestrittenen Nebenwirkungen zumindest weitgehend ersparen.

Manchmal hilft der Alternativ-Kram ja sogar. Sei es, dass echte Wirkstoffe im medizinisch hen Sinn enthalten sind, sei es dass der unverrückliche Glaube an Sankt Placebo mal wieder dies oder jenes Hügelchen für eine Weile versetzt.

Problematisch wird es aber immer dann, wenn zu Drogen gegriffen - und dabei deren Gefahr einfach ignoriert oder schnöde geleugnet wird. Natürlich soll keinem nicht bereits suchtgefährdeten Chroniker das Gläschen Wein oder Bier am Abend vermiest oder ausgeredet werden. Auch nicht die "Tüte", die in fröhlicher Runde von Mund zu Mund geht.

Auch der ärztlich verordnete Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der sich nachweislichals echtes Medikament zum Beispiel in der Schmerztherapie und auch bei der Behandlung der Multiplen Sklerose bei bewährt hat, ist als mögliche echte Alternative und Ergänzung zu anderen Medikamenten mit schweren Nebenwirkungen längst anerkannt.

Wer allerdings leichtfertig und ohne die Folgen zu bedenken regelmäßig zur Flasche greift oder sich mit Hilfe von Cannabis und Co. In eine scheinbar schöne Welt befördert, wird nicht nur - mittlerweile wissenschaftlich belegt, auf Dauer dumm - er ist es bereits.

Es steht allerdings zu befürchten, dass sich Chroniker auch weiterhin in ihren einschlägigen Foren darüber streiten werden, was denn nun besser sei: Die Tüte Cannabis am Morgen, die zuverlässig und sprichwörtlich Kummer und Sorgen vertreibt und das lästige Denken vernebelt  - oder doch gleich die  Hardcore-Modedroge Ecstasy. Meine Empfehlung in solchen Fällen: Zyankali. Das riecht lecker nach frischen Mandel-Blüten und wirkt schnell und garantiert: Innerhalb von Sekunden ist man alle Schmerzen und alles Leid los. Dauerhaft.

Norbert Jos Maas